Auch wenn ich morgen frueh frueh zum Zahnarzt muss/soll ... da brauch ich ja nicht wach zu sein ;) vermutlich ertraegt man das schlafend eh viel besser.
Irgendwie lese ich dauernd Aufforderungen, vom NaNoWriMo zu berichten - wie diese hier: Wachsen und Grenzen sprengen. Also "einzelne Artikel, die über dieses Abenteuer und das damit verbundene Wachstum durch eine solche Aktion berichten."
Oehm. Wie war es denn letztes Jahr? Ich bin letztes Jahr am 4.November irgendwie erst ueber NaNo gestolpert - und habe mich in einem Anfall von Wahnsinn angemeldet. 3 Tage im Rueckstand, und mit Masterarbeit und Praktikumsbericht im Nacken.
Ich habe Open Office auf gemacht, und losgeschrieben - eine beobachtende, nicht genau erklaerte Szene, wie ein Stillleben. Eine weitere Szene, von der Art her aehnlich, aber ein anderes Element umfassend. Ich liebe solche Szenen. Wie Bilder, oder Filmausschnitte, ohne Erklaerung, einfach nur so... Von da aus habe ich weiter geschrieben.
Ohne einen grossen Plan, eine richtige Idee. Ich habe vorgegriffen und zurueckgegriffen, ich habe Zwischenszenen geschrieben, ich habe Namen ins Spiel gebracht deren Bedeutung ich selber noch nicht kannte, ich habe Orte erschaffen, an denen ich selber gerne einmal waere. Ich habe aktuelles in die Geschichte gebracht, und war sehr ueberrascht ploetzlich Autos und Computer in meiner Geschichte zu haben. (Und eine Diskussion, warum Linux besser ist als Windows - so Nerd bin ich doch gar nicht ...) Ich habe meine Gesellschaftskritik untergebracht und meine Hoffnung, und letztendlich wurde meine Geschichte zu einer, von der ich mir selber nur gewuenscht habe, sie koennte war sein. Ich habe die alte, magische Phantasiewelt und die unsere vermischt, und zusammengebracht, ich habe Drachen erfunden und dann doch nicht finden lassen. Ich habe irgendwann bemerkt, dass ich an etwas sitze, auf das ich Stolz bin, was ich mag. Ich habe getraeumt, dass das etwas veroeffentlichbares werden koennte. (Von der Idee her denke ich immernoch das es etwas waere - vom Stil her nicht, und es fehlen immer noch einige Kapitel zwischendrin.)
Ich habe im Zug, im Bett, am Schreibtisch, zu Tisch, immer wieder mit meinen Characteren gesprochen, sie vor mir gesehen, ihre Wuensche angehoert, und versucht sie ihnen zu erfuellen. Ich habe sie Abenteuer erleben lassen, aber auch Leid. Sie mussten arbeiten wie ich, haben aber auch wunderbares erlebt. Ich habe Szenen vor Augen gehabt, die ich selbst im Traum noch nie erlebt habe. Ich habe geschrieben.
Zwischendurch wusste ich, wie es weiter zu gehen hat, ohne die Details richtig zu kennen. Oftmals habe ich geschrieben wie besessen, um endlich alles, was ich im Kopf schon wusste, auf Papier zu bringen. Und da es auf Papier immer detailreicher war, hat das Schreiben meist viel laenger gedauert, als angedacht.
Ich habe gelernt, dass ich auch mit Worten Skizzen anfertigen kann, dass ich losschreiben kann, ohne die Details zu kennen. (Das habe ich auch spaeter bei der Masterarbeit angewandt, und so immerhin einen guten Anfang hinbekommen. Leider durfte ich mir da keine Details mehr ausdenken, sondern musste wissenschaftlich und korrekt und so sein. Dennoch hat es mir beim Schreiben geholfen. Nur eine grobe Richtung kennen, und einfach mal loslegen. Was nicht passt, kann man spaeter noch anpassen.)
Ich habe gelernt, wie wenig 1667 Worte eigentlich sind, und wie viel Mist Kleinvieh wirklich macht.
Ich habe gelernt, mir mit Tomboy Notizen an zu legen und Querverweise, um mich in meiner eigenen Zeitlinie nicht zu verirren.
Ich habe gelernt, dass Open Office die Woerter anders zaehlt als Word und als der NaNo-Woerterzaehler.
Ich habe gelernt, dass ich mehr ausdruecken kann, als mir bewusst war - wenn ich nur genug Worte und Bilder dafuer gebrauchen darf.
Ich habe auch gelernt, dass ich nicht mehr gut in woertlicher Rede bin (wo kommen die Anfuehrungsstriche jetzt hin? Und die Satzzeichen? Davor oder dahinter?) - und dass ich noch schlechter in nicht-woertlicher Rede bin. Ich habe gemerkt, welchen Schreibstil ich zu oft, und welchen zu wenig anwende, wo ich zu viel, und wo zu wenig erklaere. Ich habe gemerkt, dass einige Dinge/Saetze/Szenen nur auf englisch gehen. (Fool! Wie sag ich das jetzt passend auf deutsch?)
Ich habe gelernt, dass ich immer eine Kanne Tee auf dem Tisch haben sollte beim schreiben, und dass ich weniger Knabberkram brauche, als angenommen - aber Schokolade!
Ich habe gelernt, wie toll es sein kann eine magische Zahl zu knacken, und wie befreiend in einem Thread ganz sinnbefreit eben dieses der Welt mit zu teilen. ("35k - Yeah!")
Ich habe gelernt, dass es selbst in meinem kleinen, bloeden Heimatort NaNoisten gibt - auch wenn wir nie ein Treffen hinbekommen haben.
Ich habe (wieder) gelernt, wie viel Spass schreiben und kreativ sein mit macht - und wie sehr ein Arschtritt bzw eine Deadline helfen kann.
Ich habe gelernt, dass ich zwar 11 von 12 Monaten im Jahr ohne Laptop auskomme - aber im November unbedingt eine mobile Schreibstation brauche.
Und ich habe unheimlich viel Spass gehabt. (Und dennoch mehr Schlaf als erwartet.)
Und gewonnen habe ich auch - siehe mein damaliger Blogpost: Traumseiltaenzer - der Augenblick, der die Welten verbindet.
Hach, war das schoen - und jetzt, in grade mal 8 Stunden geht es wieder los! Ich freu mich so!
Und alle, die noch nicht dabei waren: versucht es einfach mal. Wenn ihr die 50.000 Worte nicht schafft - macht nichts. Wenn ihr mittendrin die Geschichte aendert - macht nichts. Wenn ihr zwischendurch mal ne Nacht nicht schlaft - macht nichts. Wenn ihr irgendwann vom schreiben aufs malen wechselnt - macht nichts. Ihr koennt nur gewinnen: naemlich eure Kreativitaet. Die ist, davon bin ich ueberzeugt, jedem von uns inne. Und die, die glauben nicht kreativ zu sein, haben nur ihren persoenlichen Zugang dazu noch nicht gefunden.
In dem Sinne - get creative : get writing!

bouncy
November 1 2011, 14:28:25 UTC 6 months ago
November 1 2011, 22:17:08 UTC 6 months ago
November 1 2011, 17:56:51 UTC 6 months ago
Lehrreich
Danke für den Beitrag und die Verlinkung zur Blogparade (http://michaelluedeke.com/wachsen-und-grenzen-sprengen-beim-national-novel-writing-month/)!Das scheinen ja wirklich immer recht lehrreiche Tage zu sein, die dich im November treffen und auf dich warten! :)
Ich hoffe, der diesjährige NaNo wird dich auch wieder voranbringen. Beim Schreiben aber auch persönlich, durch all die Lehren, die wieder auf dich warten und dir beim Entwickeln helfen.
Liebe Grüße,
Micha
November 1 2011, 22:16:43 UTC 6 months ago
Re: Lehrreich
Danke, danke!Das erste was ich lerne ist: ich kann auch auf englisch schreiben. Yeay!
Und: wenn man viel Zeit hat, sind die ersten 3k gar kein Problem ... nur, wie gehts weiter?
November 2 2011, 10:48:22 UTC 6 months ago
December 25 2011, 08:21:39 UTC 4 months ago
Ich wollte dir nur kurz mitteilen, dass dein NaNoWriMo-Beitrag zwischen all denen, die eingereicht worden sind, von uns als für die Blogparade http://michaelluedeke.com/wachsen-und-gr
Trotz des Layouts! :)
Herzlichen Glückwunsch dazu und danke an dieser Stelle noch einmal für's Mitmachen!
Wenn du mir in den nächsten drei Wochen deine Adresse zukommen lässt, dann schicke ich dir noch ein kleines Dankeschön zu, dass dir mit Sicherheit gefallen wird.
Liebe Grüße und frohe Weihnachten!
Micha